Bis unsere Startwelle sich endlich in Bewegung setzt, vergehen 15 Minuten. Viel Zeit, damit sich die Nervosität ausbreiten kann. Dieser Lauf heute ist eine reine Spaßveranstaltung. Davon zeugen schon die wilden Kostüme um uns. Praktisch niemand ist im klassischen Marathondress unterwegs. Zumindest oben rum. An den Füßen findet man das gewohnte Material. Und eine Etage drüber sieht es auch so aus, als wüssten die Meisten, was sie tun. Ich entdecke mehr Läuferbeine als Bierbäuche. Direkt vor mir steht ein Däne aus dem „100-Marathon-Club“, wie sein Waden-Tattoo verrät.
Die Stimmung jetzt schon ausgelassen, weniger angespannt als bei den großen Marathons. Die Leute sind voller Vorfreude. So geht’s auch uns – bis auf den kleinen Rest an gesundem Respekt vor der Strecke. 42 Kilometer bleiben 42 Kilometer, da darf ruhig ein bisschen Nervosität aufkommen. Und das Warten darauf, endlich die nächste Startwelle zu erwischen, macht es nicht besser. Dann ist es endlich soweit – der 10. Beer Lovers Marathon in Lüttich beginnt. Rauch steigt auf, die Leute johlen. Die Party ist gestartet.
Let’s get the Party started
Die Ausschreibung des Beer Lovers Marathon enthielt den Hinweis, sich auf den ersten 20 km ranzuhalten, um auf den letzten 22 km genügend Zeitreserven zu haben, um das belgische Bier auszukosten. Zweieinhalb Stunden lautete die Empfehlung, die wir einzuhalten gedachten. Das Zeitlimit für den gesamten Lauf lag bei ungefähr sechseinhalb Stunden. Zumindest offiziell. Wir hatten uns abgesprochen, dass wir am Anfang erst einmal seriös laufen wollten. Wer konnte schon sagen, wie uns die Kombination aus Alkohol und Langstreckenlauf bekäme?
Der Beer Lovers Marathon hat ein eigenwilliges Konzept, das wahrscheinlich nicht jedem zusagt. Verteilt auf die klassische Marathondistanz verteilen sich 16 Verpflegungsstellen der besonderen Art. Jede einzelne wartet mit einem lokalen Bier auf, von dem man – lt. Ausschreibung – 0,1 l bekommt. Für diesen Zweck führt jeder Läufer und jede Läuferin einen Bierbecher bei sich, den wir neben Shirt, Cap und Bierdose in unserem überraschend gut gefüllten Starterbeutel vorfanden.







Schon nach wenigen Metern nervt mich der Becher so sehr, dass ihn aus dem Halter an meinem Startnummerngürtel wurschtele. Bei jedem Schritt war er mir gegen den Hintern geklatscht. Wo das geklärt ist, gibt es noch andere wichtige Dinge zu klären: „Trinken wir eigentlich an jeder Station?“, will ich von Nils wissen. Wir einigen uns darauf, dass wir es genauso machen. Dafür sind wir ja schließlich nach Lüttich gefahren. Und solange wir es vertragen, trinken wir. Der Spaß ist schließlich teuer bezahlt. In diesem Sinne steuere ich den ersten VP an.
Le petit-déjeuner
Frühstück hatten wir eigentlich schon, aber ein bisschen nachladen schadet ganz sicher nicht. So ein Marathon kann lang werden und macht nicht nur durstig. Es sind gerade erst 600 m vorbei, da schnappe ich mir eines der Mini-Schoko-Croissants, die am ersten VP gereicht werden. Es ist der einzige, an dem es keinen Alkohol gibt, dafür aber eben das petit-déjeuner – das kleine Frühstück. Mit wenigen Bissen ist der Snack Geschichte.
Der Kurs führt gen Südost, fort von der kleinen Insel in der Maaß, auf der wir gestartet sind. Wir folgen der Ourthe, dem zweiten großen Fluss in Lüttich. Weil wir zügig laufen, überholen wir quasi pausenlos, bis wir die Spitze unserer Startwelle erreicht haben. Das dauert nur wenige Minuten. Dann haben wir auch schon zur nächsten Welle aufgeschlossen. Um uns herum gibt es nichts, was es nicht gibt.
Wir treffen Diego Maradona, Forrest Gump, Pipi Langstrumpf (gleich vier Mal), laufende Koffer, Fahnen, Heißluftballons und sogar einen Fan meines Herzensvereins aus Hannover. Er trägt eine Fischermütze von 96, für die es heute im letzten Saisonspiel um alles geht. Aufstieg oder Verbleib in der 2. Bundesliga. Für uns geht’s nur um den Spaß und darum, rechtzeitig zum Anpfiff auf dem Zimmer zu sein. Voll (bitter enttäuschter) Vorfreude stimme ich einen Stadiongesang an, bis wir auch diesen Pulk hinter uns gelassen haben.
Morgen, halb zehn in Lüttich
21 Minuten dauert unser Lauf zum ersten Bier, dann haben wir nach 3,7 km den ersten richtigen VP erreicht. Es ist 10:06 Uhr und der Gedanke, so früh mit dem Trinken zu beginnen fühlt ein bissen befremdlich. Mir fällt die alte Knoppers-Werbung ein und in Anlehnung daran: „Morgens, halb zehn in Belgien. Zeit für ein lecker Bierchen!“. Hier jedenfalls holt keiner den moralischen Kompass heraus. Und das ist auch gut so.

Eine Gruppe Lederhosenträger hat sichtlich Spaß. Einer von ihnen hat bereits jetzt einen Krampf, was für Hohn und Spott seiner Mitläufer sorgt. Als einer von ihnen kurz danach feststellt, dass wir schon ein Zehntel der Strecke geschafft und gar nicht mehr so viel vor uns haben, schlage ich in die gleiche Kerbe: „Wenn nicht vorher der Muskel dicht macht…“. Er nimmt es mit Humor, so wie alle anderen Läufer auch ihren Spaß haben.
Bei allem Spaß allerdings nervt mich der „Läufer“ auf dem Fahrrad schon. Der schmale Fahrradweg zwischen Ourthe links und dem Bahndamm rechts ist ohnehin schon eng genug. Da braucht es nicht noch einen Spaßvogel, der den Weg zum nächsten Bierstand einfach fährt. Sei’s drum. Muss jeder selbst wissen, aber irgendwie scheint mir das nicht im Sinne des Laufes zu sein.
Abkürzen ist auch hier tabu
Hatten wir uns an der ersten „Haltestelle“ noch zu den Tischen mit dem Bier drängen müssen, kommen uns am zweiten VP Helfer mit Krügen entgegen. Großzügig werden unsere Becher gefüllt. Schon jetzt ist klar, dass die 0,1 l pro Station nur pro Forma in der Ausschreibung standen. Die Füllmenge wird allenfalls über den Daumen gepeilt. Frei nach dem Motto: „Viel hilft viel“.
Erneut wechseln wir die Flusseite, stecken jetzt nicht mehr zwischen Bahndamm und Fluss, sondern zur Abwechslung zwischen Autobahn und Fluss. Klingt trist, ist aber erstaunlich grün. Die Ourthe ist hier und da über die Ufer getreten und hat kleine Überschwemmungsgebiete gebildet, es gibt reichlich Uferbewuchs und Grünflächen. Sogar umgestürzte Bäume gibt es. Die machen den ohnehin schon schmalen Radweg aber nun mal auch nicht breiter, indem sie quer darüber liegen.
Indes sind wir weiterhin in unserem Tempo unterwegs. Das hat zur Folge, das wir permanent überholen. Zu viel Zeit ist vergangen, als dass man sich noch zusammenreimen könnte, auf welche Startwelle man aufgelaufen wäre. Es hat sich alles vermischt. Weil der Fahrradweg so eng ist, passieren wir Pharaonen, Bierdosen und Stewardessen auf dem Grünstreifen daneben. Wirkt vielleicht ein bisschen „pushy“, aber bisher hat sich noch niemand beschwert. Ganz anders sieht das aus, als eine kleine Gruppe plötzlich über den Rasen abkürzt, anstatt den Fahrradweg zu nehmen. Wenn man in Buh-Rufen einen heiteren Unterton vernehmen kann, dann ist das hier der Fall. Das Trio wird gnadenlos ausgebuht und trotzdem klingt es irgendwie freundlich.
Cola und Bier, das gönn‘ ich mir
in Tilff haben wir den südlichsten Punkt der Strecke erreicht. Es sind 11 km absolviert und wir arbeiten uns auf einem sehr engen Uferweg entlang. Weil es im Feld stockt, lasse ich den Blick schweifen. Vor uns überquert der Weihnachtsmann gerade eine futuristische Fußgängerbrücke, links neben mir entdecke ich im Fenster eines der Häuser zur unserer Linken eine gigantische Magnumflasche Sekt. Das passt ins Bild.
Der kleine Ort hat Charme, Cafès drängen sich um einen Brunnen, dann haben wir die Brücke erreicht und wechseln abermals die Flussseite. Die Stimmung auf der Brücke ist gut, jubelnde Menschen warten hier auf Freunde und Verwandte. Der nächste Bierstopp ist nicht weit und hält auch unsere Stimmung oben. So langsam muss ich neben Bier auch mal was anderes trinken. Der Polyester-Anzug und die Perücke sind schweißgetränkt. Zuerst trinke ich Cola, dann Bier. Ein Läufer neben mir mixt die beiden Getränke einfach. Ich proste ihm zu: „Cheers!“.

Die ewige Trinkerei fordert derweil ihren Tribut und ich flüchte mich hinter dem VP in die Büsche, ehe wir unseren Weg einigermaßen beschwingt fortsetzen. So langsam spüren wir die Belastung – und möglicherweise auch den Alkohol.
Mit der Bombe auf dem Rücken
Für eine Weile laufen wir auf der anderen Flussseite und können die hinter uns liegenden Läufer auf dem jenseitigen Uferweg sehen. Irgendwann auch den Schlussläufer. So weit scheint der gar nicht hinter uns zu sein, obwohl es objektiv einige Kilometer sein dürften. Wir sind weit davon entfernt, das Zeitlimit zu reißen. Dafür sind wir viel zu schnell unterwegs, laufen regelmäßig Kilometer in 5:30 min/km, nur die Bierpausen ziehen den Schnitt erwartungsgemäß nach unten.
Erst recht, wenn die Stopps dich aufeinander folgen. Kaum ausgetrunken, werden unsere Becher schon wieder gefüllt. Wir sind am vierten VP, direkt am Fuße des einzig nennenswerten Anstiegs. Mit dem frisch gefüllten Becher gehen wir gemächlich den Anstieg hinauf. Wir haben schon ein Drittel der Gesamtstrecke in den Beinen und wollen unsere Kräfte sparen. Bringt ja nichts, sich hier hoch zu quälen. Weil Nils so gar keinen Bock auf den Berg hat, gehen wir eine ganze Weile. Infolgedessen werden wir immer wieder überholt. Das sollte mir egal sein, aber ich bin wie immer unentspannt. Als käme es heute darauf an! Ich kann mich einigermaßen locker machen, aber wie immer den Wettkampfmodus nicht komplett ausschalten.
Der positive Nebenaspekt am Gehen: Wir haben das Feld so ziemlich von hinten nach vorne durchgekämmt und so schon die unterschiedlichsten Kostüme gesehen. Jetzt können wir einige noch einmal ausgiebig mustern. Darunter auch politisch nicht astreine. Einer der Läufer hat sich in einen Umhang geschmissen und auf seinem Rucksack Flaschen einest Kräuterlikörs so mit Kabeln verbunden, dass sie einem Sprengsatz gleichen. Ein anderer Läufer hat den offenbar den gleichen Shop besucht wie wir und ist im gleichen Dress auf der Piste.
Der dritte Zwilling
Der Anstieg zieht sich und als wir nach ungefähr 17 km wieder mit flüssigem Brot versorgt werden, habe ich erstmals Bedenken, ein kleines Tief. Es ist noch weit, ich habe leicht einen drin und auch um Nils mache ich mir Sorgen. Auf den folgenden Metern versuche ich ihn zu motivieren und anzutreiben. Was hilft: Höher geht es nicht. Die folgenden Kilometer finden wir zurück in die Spur, unseren abtrünnigen Bruder, den Läufer mit dem gleichen Polyester-Anzug, der inzwischen vollkommen durchnässt ist vom Schweiß, immer im Blick. Als wir einmal zu ihm aufschließen, spreche ich ihn an: „Nice outfit, bro!“. Es dauert einen Augenblick, bis er checkt, was ich meine, dann lassen wir ihn vorübergehend hinter uns.

Das Tief ist durchschritten und wir genießen das nächste – das wievielte eigentlich? – Bier. Mehr als die Hälfte der Strecke haben wir in der Tasche. „Bro“ ist auch wieder am Start und wir machen schnell ein Selfie. Mit dem Gefälle im Rücken dauert es kaum zehn Minuten bis wir das nächste Bier in der Hand halten. Wir sind an einem Kanal der Ourthe angelangt. Ich bin oben auf, tanze zur elektronischen Musik und gleiche den Alkohol mit einigen Schnitzen Orange aus. Reichlich ramponierte Hausboote versprühen einen maroden Charme.



Party im Bahnhof Guillemins
Erstmals überqueren wir die Maaß nach 25 km. Von nun an werden wir westlich des Flusses bleiben, bis etwa drei Kilometer vor dem Ziel. War die Strecke bis hierher eher Landschaftslauf, wird sie jetzt zum City-Marathon. Über einen kleinen, aber knackigen Anstieg gelangen wir zum Bahnhof Guillemins, der sich in Sichtweite unseres Hotels befindet. Es wäre ein Leichtes, sich ab jetzt aufs Trinken zu fokussieren und den Lauf Lauf sein zu lassen. Aber wir verschwenden keinen Gedanken darauf.
Im futuristischen Bahnhof ist die Stimmung dank Live-Musik bestens. Auf dem Vorplatz ist gut was los. Während ich ein Selfie mit dem Chouffe-Zwerg schieße, hat Nils sich in ein Gespräch verwickeln lassen. Ein Läufer aus Österreich ist redselig und möchte uns unbedingt seine Lebensgeschichte erzählen. Wir haben alle Mühe, ihn wieder loszuwerden. Nicht weil wir per se unfreundlich sind, sondern seiner aufdringlichen Art entfliehen wollen.

Kaum haben wir das Chouffe ausgetrunken, sind wir schon beim nächsten Bierstand im Botanischen Garten. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Erstmals trinke ich meinen Becher nicht aus. Vielleicht liegt es am Bier – jede Station hat ein eigenes Bier – oder es ist bei mir eine Art der Sättigung eingetreten. Zu voll zum Laufen bin ich, sind wir noch nicht. Das ist auch gut so, haben wir doch noch 12, teils wilde Kilometer vor der Brust.
Der Endboss hat 374 Stufen
Beginnend mit der Rue de la Montagne beginnt ein wildes Auf- und Ab durch die engen Gassen Lüttichs, über Treppen, schmale Pfade, uralte Mauerdurchbrüche und Hinterhöfe, bis wir am Fuße des Montagne de Bueren der zweitgrößten Treppe Belgiens ins Auge blicken. 67 Höhenmeter verteilt auf 374 Stufen bei einer Steigung von 25 – 30 %. Ein echtes Monster. Wir nehmen unser Bier vom strategisch platzierten Stand am unteren Ende der Treppe mit auf den Anstieg. So können wir uns diesen wenigstens schön trinken.


Ich fühle mich – vielleicht berauscht durch den Alkohol – einigermaßen gut und beginne ein Gespräch mit einer Kuh, die neben uns die Treppe erklimmt. Es ist eine Läuferin aus Deutschland, aus Holstein, die sich entsprechend als Holsteiner Kuh ins Rennen begeben hat. Vor allem das Trinken fällt ihr schwer, gibt sie zu. Sachen gibt es. Das Trinken ist doch der einfache Teil, denke ich. Weil Nils ausgiebig über die Treppe flucht, mache ich Scherze. „Warte nur, bis wir oben sind. Da wartet schon die nächste Treppe!“

Wer hätte denn ahnen können, dass ich damit recht habe? Weil die Streckenführung im 90°-Winkel hinter den Wohnhäusern am oberen Ende der Treppe nach rechts abzweigt, können wir die Treppe zum Kriegsmonument hoch über Lüttich erst sehen, nachdem wir um die Häuser kommen. Junge, jetzt wollen sie uns aber tüchtig in die Fresse hauen.
Ein Tank voll, der andere leer
Als Entlohnung für die Schinderei wartet oben das nächste Bier. Auch ein Pommesstand ist hier aufgebaut. Wir verständigen uns darauf, dieses Bier ausfallen zu lassen. Das letzte ist noch nicht lange genug zurück. Und weil Nils gerade nicht essen kann oder will, lasse auch ich die Pommes schweren Herzens in der Fritteuse. Wir werden durch einen zur Disco umfunktionierten Schiffscontainer gelotst und stolpern durch den Nebel auf eine Aussichtsplattform. Der Blick lohnt sich!
Noch 10 km verbleiben. Der Waldweg, auf dem wir den Montagne de Bueren wieder in Richtung Stadt verlassen, ist so schlüpfrig, dass ein Läufer zu Boden geht. Nichts Ernstes, einfach nur ausgerutscht. Wir scheinen auf die anderen Läufer einen guten Eindruck zu machen. Die deutsche Pärchen, das uns auf diesem Abschnitt begleitet, stellt fest, dass wir sowas sicher nicht zum ersten Mal machen. Das sieht so locker aus. In der Tat fühlt es sich noch einigermaßen locker an, aber nach nunmehr 36 km wird es auch für mich spürbar härter. So langsam ist der Tank leer. Von guter Verpflegung kann heute keine Rede sein!
Nochmals nehmen wir ein Bier, aber auch dieses schaffe ich nicht mehr. Die Dichte an Bierständen ist jetzt so hoch, dass wir einfach nicht mehr hinterher kommen. Kaum einen Kilometer weiter ist schon der nächste Verpflegungsstand. Das darf doch nicht wahr sein. Wir passen. Mein persönlicher Biertank ist voll.
Die langen letzten Meter
Direkt am Ufer der Maaß mühen wir uns über einen Radweg. Das ist echt unangenehm, weil uns der Wind entgegen bläst. Das macht es doppelt anstrengend. Immer wieder entscheiden wir uns fürs Gehen, Laufen dann wieder eine gewisse Zeit und lassen so die restlichen Kilometer zum Ziel schmelzen. Mit Bier sind wir weiterhin durch, lassen auch die folgenden beiden Stationen aus und ernten dafür Buh-Rufe. Es liegt nicht am Wollen, sondern am Können! Die Menge an Bier ist schon ohne den Lauf für mich nicht easy zu bewältigen. Nils hat noch weitaus größere Probleme, scheint mir.
Entlang des Flusses haben sich kleine Grüppchen gebildet. Durch unsere Stop-and-Go-Taktik überholen wir immer wieder die gleichen Personen, um in unserer Gehpause wieder eingeholt zu werden. Kurz vor dem Ziel schwenken wir um auf eine andere Taktik, laufen langsam an, um kontinuierlich durchzuziehen. So bekommen wir auch die Wikinger vor uns. Und den Kobold. Es ist uns nicht wichtig, es ist ein Spiel, um uns die letzten Meter zu verkürzen. Tatsächlich werden diese lang und länger. Auch weil die Beschilderung nicht ganz passt. Von der 42-km-Marke bis zum Ziel sind es definitiv keine 195 Meter.
Der Weg unterhalb der Kongresshalle ist schmerzhaft, aber das Ende ist fest im Blick. Von den Balkonen über uns jubeln Zuschauer und bereits Angekommene . Es fühlt sich an, als wäre schon eine große Masse an Läufern im Ziel. Direkt vor dem Ziel könnten wir noch ein Bier nehmen, schlagen aber auch dieses Angebot dankend aus, nehmen die Stufen zum Eingang der Halle zähneknirschend, um dann endlich über den roten Teppich ins Ziel zu kommen. Knapp unter fünf Stunden. Keine Glanzzeit, aber in Anbetracht der Höhenmeter und der vielen Bier, ist das doch sehr anständig.
Die letzten Metern taten weh. Aber es fühlt sich gut an, durchgezogen zu haben. Ich bin nicht zu zerschunden wie nach einem Marathon auf Bestzeit, wobei das Terrain schon einige Schwierigkeiten bereit gehalten hat. Nils spricht nachher sogar vom schwierigsten Marathon, den er je gelaufen ist. Das würde ich nicht unterschreiben, aber laufen und trinken zur gleichen Zeit, stellen in jedem Fall eine ganz besondere Herausforderung dar, das muss man konstatieren. Ein großer Spaß war es aber auf jeden Fall.
Der Lauf im Überblick
| Distanz | 42, 195 km |
| Zeit | 04:57:49 Std. / 7:03 min/km |
| Platzierung | 118. von 2501 Teilnehmern |
| AK-Platzierung | 16. von 230 |
| Strecke | Die erste Hälfte des Laufs ist eher Landschaftslauf als City-Marathon. Es geht permanent an Flüssen und Kanälen entlang. Erst nach 25 km läuft man durch die Stadt, lernt dafür aber auch die Treppen der Innenstadt kennen, darunter die zweithöchste Treppe Belgiens. Die Stimmung ist an den Verpflegungspunkten ausgelassen, besonders am Bahnhof war es stimmungsvoll. |
| Besonderheiten | Der Startbeutel war überraschend gut gefüllt. Man darf den Lauf nicht zu ernst nehmen, allerdings auch nicht unterschätzen, dass dieser Marathon einige Herausforderungen bereit hält. |


